Die Wewelsburg: Eine Burg und ihre traurige Geschichte

Schon von weitem sichtbar thront die Wewelsburg auf einem Berg, über den im Almetal gelegenen, gleichnamigen Bürener Ortsteil. Auch beim Näherkommen wirkt die Burg imposant – nicht zuletzt durch ihre spezielle Bauweise als Dreiecksburg.
Aber unsichtbar, versteckt hinter ihren dicken Mauern verbirgt sie auch einen traurigen Teil deutscher Geschichte.

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Die Geschichte einer alten Burg

Ihr heutiges Aussehen verdankt die Wewelsburg dem Paderborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg, welcher sie von 1603 bis 1609 im Stil der Weserrenaissance erbauen ließ und sie als Nebenresidenz nutzte. Bauliche Vorgänger der heutigen Burg lassen sich aber schon bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Heute ist sie die einzige noch vollständig geschlossene Dreiecksburg in Deutschland und allein deshalb schon einen Besuch wert.
An die Jahrhunderte alte Geschichte der Burg und der Region erinnert das Historische Museum des Hochstifts Paderborn (derzeit aufgrund von Modernisierungsarbeiten geschlossen), welches in der Burg angesiedelt ist. Die Geschichte der Wewelsburg reicht von einer Vielzahl von Bischöfen und Adelsleuten, über schwedische Angreifer bis hin zur Hexenverfolgung!

wewelsburg_bearbeitet_PostkarteOWL (17 von 21)Im Lauf ihrer langen Geschichte trotzte die Burg so mehr oder weniger unbeschadet Belagerungen im Dreißigjährigen Krieg und weiteren äußeren Angriffen und wechselte mehrfach ihre Eigentümer (sie ging im 19. Jahrhundert vom Stift Paderborn in preußischen Besitz über. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie Eigentum des Kreises Büren, später Kreis Paderborn). In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stand ihr allerdings noch eine weitere traurige Geschichte bevor.

Ein schicksalsträchtiger Vertrag

Die traurige Geschichte begann spätestens mit der Unterzeichnung eines Pachtvertrags, wenn nicht schon zuvor.
Denn im Jahr 1934 schloss der Kreis Büren einen Pachtvertrag für die Burg mit der SS — und damit dem nationalsozialistischen Deutschland.
Offiziell benannten sie die Burg in „SS-Schule Haus Wewelsburg“ um, wo Offiziere sich (ideologisch) weiterbilden sollten . Dieser Name verheimlicht allerdings den eigentlichen Nutzungsplan der Funktionäre, und damit die interne Bedeutung der Wewelsburg für die Nationalsozialisten. Denn tatsächlich diente die Burg in erster Linie als prunkvoller Treffpunkt für hochrangige SS-Anführer. Umfassende Pläne zur Erweiterung der Burganlage wurden in Auftrag geben um den Ansprüchen gerecht zu werden. Umgesetzt wurden sie allerdings nur ansatzweise.
Sogar ein Konzentrationslager wurde in nächster Nähe der Burg gegründet.

Glücklicherweise liegen die mit dieser Zeit verbundenen Gräueltaten in der Vergangenheit und die Wewelsburg konnte bereites 1948/49, nach einem von der SS herbeigeführten Brand, wieder aufgebaut werden (ursprünglich hatten die Nationalsozialisten eine Sprengung der Burg geplant). Heute beherbergt die Wewelsburg neben den verschiedenen Ausstellungen auch wieder eine Jugendherberge.

wewelsburg_bearbeitet_PostkarteOWL (2 von 21)Dauerausstellung in der Erinnerungs- und Gedenkstätte

An die Schrecken und die absurden Ideologien der SS, sowie die Erinnerungen der Menschen vor Ort erinnert heute die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945 mit der Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“.
Angesiedelt im ehemaligen Wachhaus der Burg, welches auch erst im betrachteten Zeitraum errichtet wurde, wird den Besuchern auf sehr anschauliche, eindringliche und moderne Art die Rolle der Wewelsburg in den Jahren der NS-Herrschaft vor Augen geführt.
Die Ausstellung führt von der allgemeinen Stellung und Ideologie der SS in Deutschland hin zu ihrer Bedeutung und Umsetzung vor Ort, in der Burg und in der Region.
Einen wichtigen Bestandteil stellt der Nordturm der Burg der, welcher, voll von mystischer Symbolik, eine besondere Bedeutung für die Funktionäre hatte und einem den Größenwahn und die Absurdität dieser Ideologie vor Augen führt.

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Mich persönlich allerdings hat der letzte Teil der Ausstellung am meisten berührt. In dem Abschnitt finden Augenzeugen der Ortschaft Wewelsburg, in den die gleichnamige Burg eingebettet ist, Gehör. In Form von Tonaufzeichnungen oder Videos und Bildern vor Augen geführt zu bekommen, wie die Einheimischen diesen Teil der Geschichte der Wewelsburg wahrnehmen, wie sie mit den Insassen des Gefangenenlagers umgingen und wie ihre eigene, ganz persönliche Lebensgeschichte dadurch beeinflusst wurde, ist besonders eindringlich und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

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Nützlich Infos:

Die Wewelsburg beherbergt heute eine Jugendherberge, sowie das Kreismuseum Wewelsburg, mit den Abteilungen des historischen Museums des Hochstifts Paderborn, sowie die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945. Hinzu kommen eine Reihe von Wechselausstellungen und Einzelveranstaltungen.

Historisches Museum des Hochstifts Paderborn:
Derzeit bis August 2015 für Modernisierungsarbeiten geschlossen

Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945:

Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag: 10-17 Uhr
Samstag & Sonntag: 10-18 Uhr

Eintritt: kostenfrei

Weiter Infos zu Führungen, Anfahrt, Wechselausstellungen und natürlich zur Geschichte der Burg und ihrer heutigen Funktion gibt es auf der Homepage der Wewelsburg: http://www.wewelsburg.de/

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