Es war einmal: Der Himmighäuser Bahnhof

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(Dieser Eintrag und die damit verbundenen Unternehmungen sind Teil meiner 5 in 5 in 5 Herausforderung)

Es hatte gerade zu regnen begonnen, als ich mich auf den Weg machte. Der sanfte Niederschlag schien zu dem Ort zu passen, den ich an dem Nachmittag besuchen wollte. Nicht etwa, weil er im Regen besonders schön wirkt – sondern wohl eher das genaue Gegenteil. Der Regen untermalte die Trostlosigkeit und das traurige Gedenken an vergangene, betriebsame Zeiten am Himmighäuser Bahnhof, meinem Zielort.

Ich werde oft melancholisch, wenn ich an Orten vorbeikomme, die einst der Mittelpunkt von etwas waren. Orte von Aufmerksamkeit und zentraler Bedeutung für die Menschen vor Ort und deren glanzvolle Erinnerungen heute mit einer Schicht von Rost überzogen sind. Der Himmighäuser Bahnhof ist nur eins von vielen ähnlichen Beispielen.

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Als der Bahnhofsbetrieb  1989 eingestellt wurde, konnte Himmighausen auf eine mehr als hundertjährige Eisenbahngeschichte zurückblicken. Mit dem Bau des Streckenabschnitts zwischen Altenbeken und Himmighausen war bereits 1864 begonnen worden und acht Jahre später rollten die ersten Züge über Himmighausen Richtung Steinheim/Altenbeken.

Besonders um die Jahrhundertwende herrschte an der kleinen Haltestelle rege Betriebsamkeit. Bis zu neunzehn Beschäftigte, Beamte und weitere Arbeiter, verrichteten zu der Zeit ihre Arbeit am Himmighäuser Bahnhof.  In dem großzügigen, am Hang gelegenen Bahnhofsgebäude wurde eine Gaststätte eröffnet, einschließlich Biergarten und Wartesälen, in denen sich die wartenden Zugreisenden bis zum eintreffen ihres Zugs warm halten konnten (erste und zweite Klasse natürlich getrennt!)

3 Bahnhof Himmighausen Gleisseite

Der Himmighäuser Bahnhof auf einer alten Ansichtskarte*

In Himmighausen verkehrten hauptsächlich Züge des Nahverkehrs, sowohl Richtung Paderborn/Hannover als auch Richtung Herford, was den Ort zu einem günstigen Knotenpunkt machte. Kaum vorstellbar scheint heute, dass auch Fernverkehrszüge, wenn auch vereinzelt, in der kleinen Gemeinde hielten. Zeitweise konnte man sogar von Himmighausen aus nach Norddeich fahren!

Noch in den 1960er Jahren pendelten ca. 300 Personen täglich von hier aus zu ihren Arbeits- oder Ausbildungsplätzen in die verschiedenen Himmelsrichtungen.

Während die Eröffnung der Haltestelle Himmighausen zur Mobilität der Menschen vor Ort beitrug, bedeutete er aber noch viel mehr für die Einheimischen. Um den ein Stückchen außerhalb des eigentlichen Dorfes, und ursprünglich zur Sandebecker Flur gehörigen Bahnhof, wuchs eine „Außenstelle“ der Gemeinde heran, die auch heute noch nach der Haltestelle benannt ist, obwohl heute längst keine Züge mehr dort halten: Himmighausen Bahnhof.

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Ebenfalls das Bild einer Ansichtskarte* aus dem Jahr 1930. Hier ist von der heutigen „Außenstelle“ Himmighausen Bahnhof noch nicht viel zu erkennen.

Gleichzeitg war der Bahnhof auch ein guter Arbeitgeber für Männer aus der Umgebung. Die Aussage „Mein Mann ist bei der Bahn“, hatte für viele einen positiven Klang. Mein Großonkel zum Beispiel, hat lange Jahre am Himmighäuser Bahnhof gearbeitet.

Aber als sich mit der Zeit mehr und mehr Leute den Luxus eines eigenen Autos leisten konnten, nahm die Zahl der Fahrgäste rasch ab. Im September 1975 wurden die Fahrkartenausgabe und die Expressgutabfertigung geschlossen. Die Bahnhofsgaststätte war bereits 1960 geschlossen worden. Durch diese Einschränkungen wurde weniger Personal benötigt und der kleine Bahnhof schrumpfte weiter.

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Heute nimmt man von dem einstmals so betriebsamen Bahnhof nicht mehr viel wahr, auch wenn man die ehemalige Haltestelle heute immer noch mit dem Zug durchquert, zum Beispiel auf der Zugreise zwischen Paderborn und Hannover. Das große Bahnhofsgebäude existiert nicht mehr und auch das Dach des Bahnsteiges wurde 2006 zurückgebaut. Im September diesen Jahren wurde das auf den Fotos hier noch zu sehende Stahlgerüst abgerissen.

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Die Natur holt sich den Bahnsteig und das ehemalige Bahnhofsgelände zurück.

Wie viele andere kleine Bahnhöfe ist Himmighäuser Bahnhof zu einer reinen Durchfahrt geworden.

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* Vielen Dank an W. Gehle, der mir die Bilder der alten Ansichtskarten zur Verfügung gestellt hat,. Auf seiner Homepage habe ich außerdem viele der hier verwendeten Informationen gefunden.

Ein Gedanke zu “Es war einmal: Der Himmighäuser Bahnhof

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