Die Tradition aufrecht erhalten: Auf Krautbundsuche

(Die hier beschriebenen Geschichten und Ausflüge sind Teil meiner „5 in 5 in 5“ Herausforderung!)

Krautbund_Collecting herbs for Assumption DayIch bin immer wieder fasziniert von alten, teils regionalen, Traditionen.
Für mich bedeuten sie eine Rückbesinnung auf vergangene Zeit (die ich persönlich gar nicht mehr kenne!) und eine Refokussierung auf die einfachen und grundlegenden Dinge im Leben.

Häufig sind diese alten Traditionen mit kirchlichen Festen und Ritualen verbunden.Collecting herbs for Assumption Day_1

So wird zum Beispiel am Maria Himmelfahrts-Wochenende, also um den 15. August, ein Strauß aus verschiedenen Kräutern und altbekannten Heilpflanzen gesammelt. Dieser wird in der Kirche gesegnet und anschließend in Ställen, Scheunen oder auch im Wohnhaus aufgehängt, um Mensch und Tier von jeglichem Unheil zu schützen – sei es Krankheit, Blitzeinschlag oder auch einer schlechten Ernte. Dort hängt der Strauß dann für ein Jahr, bis er im kommenden Jahr durch einen neuen ersetzt wird. Auch wenn sogar hier auf dem Land die Zahl der Bauernhöfe nur noch einer Kleinzahl entspricht, gefällt mir der Gedanke, der hinter dieser kirchlichen Tradition steckt. Wer kann schließlich keine Gesundheit gebrauchen?

Die Krautbundsuche ist eine katholische Tradition,  die in OWL (so wie in anderen Teilen Deutschlands) aufrecht erhalten wird. Warum ausgerechnet zu Maria-Himmelfahrt Kräuter gesammelt werden, darum ranken viele Theorien und Mythen. Eine lautet zum Beispiel, dass, als das Grab der Jungfrau Maria vor Hunderten vor Jahren geöffnet wurde, ihr Körper verschwunden war und stattdessen alles voller Blumen und Kräuter war.

Ich erinnere mich gut daran (gut, das klingt als wäre ich schon im Rentenalter…), dass wir als Kinder einige Tage vor dem 15. August, im Dorf zusammenkamen um gemeinsame mit der ehemaligen Grundschuldirektorin und einem schlauen Buch mit Bildern und Infos zu den zu sammelnden Kräutern loszogen, um unser Krautbund zusammenzustellen.

collecting herbs for assumption day _ cows and meadowscollecting herbs for assumption day_fields and meadows
Als meine Mutter mich in diesem Jahr kurz vor Maria Himmelfahrt fragte, ob ich zusammen mit ihr losziehen und einen Krautbund suchen wolle, war ich sofort mit dabei.Ich versuchte mich an Wege und Straßenränder zu erinnern, an denen wir als Kinder die entsprechenden Gewächste aufgespürt hatten und diese Orte wurden zu unserer ersten Anlaufstelle.
Wir machten uns bei perfektem Wetter auf den Weg: blauer Himmel, warme Sonnenstrahlen. Wir streiften entlang an zufriedenen grasenden Kühen und bahnten uns einen Weg zwischen goldgelben Weizenfeldern, grünen Wiesen und hochgewachsenen Maisfeldern.

Was für Kräuter und wie viele verschiedene in den Krautbund gehören, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen, die von Ort zu Ort variieren können. Einige sagen, es müssen genau sieben verschiedene Kräuter sein, andere meinen, es könnten auch bis zu neunundneunzig sein.  Nun ja, wir haben uns auf unserer Suche an keine genauen Zahlenvorgaben gehalten. Meine Mutter kannte einige Pflanzen, die auf jeden Fall dazugehören und das war unsere Richtlinie.

Hier ist ein Teil unserer Ausbeute:

Krautbund_1

Wilder Wermut – oder wollen wir es lieber Beifuß nennen?

Krautbund_Kamille1

Echte Kamille

Krautbund_3

Rainfarn – umgangssprachlich auch Wurmkraut oder Soldatenknöpfe genannt (letzteres ist das eindeutig schönere Wort!)

Krautbund_Kornfeld2

Weizen – auch verschiedene Getreidesorten gehören mit dazu (gute Ernte usw.)

Krautbund_2

Schafgarbe

Leider konnte ich mich an viele Kräuternamen von früher nicht mehr erinnern, geschweige denn daran, wie sie aussehen. Sonst hätten wir sicherlich mit ein bisschen gutem Wille noch weitere Kräuter finden können. Aber wir waren auch so mit unserer Ausbeute zufrieden.

Krautbund_fertig1

Wieder zu Hause angekommen, fügten wir noch ein wenig Johanniskraut und ein paar Ringelblumen aus unserem Garten hinzu.
Anschließend ließen wir den Strauß in der Kirche segnen und nun hängt er auf dem Taubenschlag meines Vaters – der einzige Ort bei uns, der einem traditionellen Stall Nahe kommt (und ja, Taubenschlag, ich weiß… 😉 ).

Ein Gedanke zu “Die Tradition aufrecht erhalten: Auf Krautbundsuche

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